Ich habe soeben mein Studium der Erlanger Buchwissenschaft beendet – und war nicht immer ganz glücklich mit dem Lauf der Dinge dort. Umso schlimmer, dass man angesichts eines Artikels der Kommilitonin Katerina Dimitriadis in den Nürnberger Nachrichten nicht anders kann, als das Institut in Schutz zu nehmen. Sie schreibt etwa im Teaser (alle Hervorhebungen von mir):
Wer sich dazu entscheidet, in Erlangen Buchwissenschaft zu studieren, sollte eines wissen: Die Referate und Hausarbeiten in diesem Studienfach sind die schwierigsten und anspruchsvollsten, die man sich nur vorstellen kann.
Diese Einschätzung ist gänzlich subjektiv – ich kenne kaum Studenten, die zustimmen würden. Dimitriadis begründet ihre Aussage wie folgt:
Uns werden aufwendige Literaturrecherchen, strenge Richtlinien bei der Quellenanalyse, ein perfektes Layout und sogar Fahrten in andere Landesbibliotheken abverlangt.
Kurzum: der normale Uni-Trott. Recherche Zustimmen muss ich nur beim Layout, das tatsächlich in den wenigsten Studiengängen so ein relevantes Kriterium darstellt wie bei uns. Das war für mich aber immer einer der positiven Punkte in Prüfungspraxis. (Und ich bekam noch oft genug schrecklich gestaltete Handouts zu Referaten in die Hand gedrückt.)
Die nächsten Behauptungen sind auch aus der Luft gegriffen:
Möchte man sich aber in der Praxis tatsächlich Literatur für Referate oder Hausarbeiten beschaffen, stößt man als lesewütiger Buchwissenschaftler auf schier unglaubliche Probleme. Zunächst einmal liegt die Buchwissenschaftliche Bibliothek (kurz: BuWi-Bib) etwa 35 Gehminuten vom zentral gelegenen Kollegienhaus entfernt.
Einfach grober Unfug. Google Maps dazu:
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Google Maps spricht von 11 Minuten Fußweg. Das heißt: Ein eher langsamer Student wie ich braucht 8. Und Dimitriadis sollte das eigentlich schon mehrfach ausprobiert haben, denn laut diesem Artikel ist sie mindestens im vierten, eher im fünften Semester.
Das Institut äußert sich in seiner Stellungnahme (die ich nirgends online finde, die aber nicht vertraulich zu sein scheint):
Der Vollständigkeit halber haben wir die Entfernung vom Kollegienhaus zur Fachbibliothek in der Harfenstraße ausgemessen: Der Weg ist – mit Berücksichtigung baustellenbedingter Umwege – einen knappen Kilometer lang und kann in ca. 12 Minuten (Gehgeschwindigkeit eines „älteren Semesters“) bewältigt werden. In 35 Minuten schafft man diese Strecke also fast dreimal.
In etwa in diesem Stil zerpflückt Svenja Hagenhoff, ihres Zeichens die frischste der Buwi-Professorinnen, in der Stellungnahme auch den Rest der Beschwerde.
Was lernen wir?
- Wenn sich Studenten öffentlich über Studienbelange äußern, sollte das zumindest den Hauch eines Fundaments haben.
- Wenn sich Studenten öffentlich über Probleme mit ihrem Institut äußern, anstatt auf dieses zuzugehen (oder von diesem ignoriert werden), sollte sich besagtes Institut Gedanken über seine Kommunikationspolitik und über seine Kundenzufriedenheit machen.
- Ein Zeitungsartikel ist offenbar eine wunderbare Möglichkeit, ein ansonsten schweigsames Institut dazu zu bringen, sich zu öffnen.
- Auch als regionale Tageszeitung ohne besonderen Anspruch könnte man seine Autoren besser wählen.