… und auch der andere Teil zieht um!

Unser neues Blog: πάντα ῥεῖ – Alles fließt

Lange genug herrschte hier Funkstille – bei Cyclopean Citadels wurde den RPG-interessierten Lesern schon ein bisschen neuer Content zugemutet, der Rest lag brach. Das ändert sich: Hanna Hartberger und ich bloggen jetzt bei πάντα ῥεῖ – Alles fließt unter alles-fliesst.com über Medienthemen und besonders die Buchbranche. Wir freuen uns über alle Leser, die mit umziehen!

Die Seitenhiebe bleiben als Archiv erhalten, und sie dienen weiterhin als Ablage für alles von mir persönlich zu veröffentlichende Material, das nirgendwo sonst direkt hin gehört, aber gefunden werden sollte. Nicht zuletzt von mir selbst, denn die Website diente immer auch als öffentliche Gedächtniserweiterung im Sinne eines selektiven Zettelkastens. Und natürlich als Dokumentation von all dem Blödsinn, den ich irgendwann in den letzten 5 Jahren von mir gegeben habe.

Dank an alle Leser der “Seitenhiebe” und viel Vergnügen mit dem Content auf den neuen Seiten!

Die Erlanger Buchwissenschaft in der Presse

Ich habe soeben mein Studium der Erlanger Buchwissenschaft beendet – und war nicht immer ganz glücklich mit dem Lauf der Dinge dort. Umso schlimmer, dass man angesichts eines Artikels der Kommilitonin Katerina Dimitriadis in den Nürnberger Nachrichten nicht anders kann, als das Institut in Schutz zu nehmen. Sie schreibt etwa im Teaser (alle Hervorhebungen von mir):

Wer sich dazu entscheidet, in Erlangen Buchwissenschaft zu studieren, sollte eines wissen: Die Referate und Hausarbeiten in diesem Studienfach sind die schwierigsten und anspruchsvollsten, die man sich nur vorstellen kann.

Diese Einschätzung ist gänzlich subjektiv – ich kenne kaum Studenten, die zustimmen würden. Dimitriadis begründet ihre Aussage wie folgt:

Uns werden aufwendige Literaturrecherchen, strenge Richtlinien bei der Quellenanalyse, ein perfektes Layout und sogar Fahrten in andere Landesbibliotheken abverlangt.

Kurzum: der normale Uni-Trott. Recherche Zustimmen muss ich nur beim Layout, das tatsächlich in den wenigsten Studiengängen so ein relevantes Kriterium darstellt wie bei uns. Das war für mich aber immer einer der positiven Punkte in Prüfungspraxis. (Und ich bekam noch oft genug schrecklich gestaltete Handouts zu Referaten in die Hand gedrückt.)

Die nächsten Behauptungen sind auch aus der Luft gegriffen:

Möchte man sich aber in der Praxis tatsächlich Literatur für Referate oder Hausarbeiten beschaffen, stößt man als lesewütiger Buchwissenschaftler auf schier unglaubliche Probleme. Zunächst einmal liegt die Buchwissenschaftliche Bibliothek (kurz: BuWi-Bib) etwa 35 Gehminuten vom zentral gelegenen Kollegienhaus entfernt.

Einfach grober Unfug. Google Maps dazu:


Größere Kartenansicht

Google Maps spricht von 11 Minuten Fußweg. Das heißt: Ein eher langsamer Student wie ich braucht 8. Und Dimitriadis sollte das eigentlich schon mehrfach ausprobiert haben, denn laut diesem Artikel ist sie mindestens im vierten, eher im fünften Semester.

Das Institut äußert sich in seiner Stellungnahme (die ich nirgends online finde, die aber nicht vertraulich zu sein scheint):

Der Vollständigkeit halber haben wir die Entfernung vom Kollegienhaus zur Fachbibliothek in der Harfenstraße ausgemessen: Der Weg ist – mit Berücksichtigung baustellenbedingter Umwege – einen knappen Kilometer lang und kann in ca. 12 Minuten (Gehgeschwindigkeit eines „älteren Semesters“) bewältigt werden. In 35 Minuten schafft man diese Strecke also fast dreimal.

In etwa in diesem Stil zerpflückt Svenja Hagenhoff, ihres Zeichens die frischste der Buwi-Professorinnen, in der Stellungnahme auch den Rest der Beschwerde.

Was lernen wir?

  1. Wenn sich Studenten öffentlich über Studienbelange äußern, sollte das zumindest den Hauch eines Fundaments haben.
  2. Wenn sich Studenten öffentlich über Probleme mit ihrem Institut äußern, anstatt auf dieses zuzugehen (oder von diesem ignoriert werden), sollte sich besagtes Institut Gedanken über seine Kommunikationspolitik und über seine Kundenzufriedenheit machen.
  3. Ein Zeitungsartikel ist offenbar eine wunderbare Möglichkeit, ein ansonsten schweigsames Institut dazu zu bringen, sich zu öffnen.
  4. Auch als regionale Tageszeitung ohne besonderen Anspruch könnte man seine Autoren besser wählen.

Songs about the Right to Bear Arms

Ich überlasse das Googlen nach Videos jedem selbst, um dem Urheberrecht Genüge zu tun.

  • Clawfinger: Are You Man Enough?
  • Gorillaz: Dirty Harry

Rollenspiel-Posts gibt’s ab jetzt bei Cyclopean Citadels

Wie mehrfach angekündigt, sollen die Seitenhiebe demnächst eingestellt werden. Zwei Foki haben sich herauskristallisiert: Erstens die Medienwelt mit Schwerpunkt Buch, zweitens das schöne Hobby Rollenspiel. Letzterem widme ich mich nun unter cyclopeancitadels.wordpress.com. Der Begriff ist natürlich cthuloid vorbelastet, es soll aber auch um Rollenspiel im Allgemeinen und andere Systeme als CoC gehen – etwa um DSA, SR, SW, DnD und vielleicht auch WoD. Systeme eben, die ich spiele. Hier geht’s zum ersten Post im neuen Blog, einer Art fortsetzender Begrüßung.

Wer diesen Sachen via rsp-blogs.de folgt, wird keine große Änderung feststellen außer beim Namen – um die Aufnahme des neuen Feeds habe ich mich schon gekümmert.

SOPA und der Widerstand

Aus Protest gegen zwei neue US-Internetgesetze will die englische Fassung von Wikipedia morgen für 24 Stunden vom Netz gehen. “Leider wird niemand etwas von unserem Protest bemerken”, klagt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, “wie sollen Journalisten denn darüber berichten, wenn sie kein Wikipedia haben, um zu recherchieren?” (Titanic, wer sonst

Auch wenn die Piratenpartei, Wikipedia, rddit etc. mitmachen – ich halte es da wie Charles Stross:

If this was an American blog, it would be going dark for 24 hours tomorrow in sympathy with the strike against the Stop Online Piracy Act currently before Congress — which might more accurately be named the Rent-Seeking Plutocrats Enabling Act.

But this is not an American blog, I don’t get to vote in those elections (not being American), and meddling in other folks’ internal politics is rarely sensible.

Widerstand ist nötig. Also morgen nicht über leere Seiten ärgern, ohne reddit und co hat man mehr Zeit für anderes … Und wer sich die Zeit vertreiben will, kann in Henry Jenkins Blog zum Thema weiterlesen.

Ein Denkfehler: Der Kunde als reiner Konsument

In short, the dominant story of intellectual property is that game developers should make content and players should consume it. And that is right, generally, but it misses out on the potential for players to be creators too. (Gamasutra)

Da offenbart sich doch irgendwie ein Denkfehler – wollen nicht gerade spielende Kunde eher produktiv als rezeptiv wirken?

So bewirbt man Bücher

Die meisten (gerade deutschen) Buchtrailer haben auffallend geringe Clickzahlen. Ausnahmen bilden Bücher von Prominenten, die noch dazu mit einem irgendwie unterhaltsamen Trailer beworben werden – etwa Mittermeiers “Achtung Baby!”. (Nein, ich bin definitiv kein Mittermeier-Fan.) Die Atmo-Trailer, die ansonsten so rumgeistern, halte ich für einen Irrweg, das will niemand sehen, der das Buch nicht eh schon gekauft hat.

Man muss unterhaltsame, lustige oder spannende Videos präsentieren, die die Leute sharen, weil sie sie gut finden und darüber sprechen möchten – so wie diesen Trailer für eine kanadische Buchhandlung:

Wahr ist allerdings auch, was Olaf Kolbrück schreibt: Das Video hängt am Haptischen.

Buchverlage sind ja nicht dazu da, Papier zu vertreiben. Die Menschen wollen bei ihnen Geschichten kaufen.

Finde ich in diesem Fall aber nicht schlimm, das Video erzählt selbst eine identifikationsfähige Geschichte. Das klingt jetzt, gerade für mich, vermutlich etwas konservativ, aber die grandiose Erfolgs-Story “bedrucktes Papier” darf die Branche auch nicht ganz aus den Augen verlieren.

Die Kresse halten

Hatte noch jemand Probleme, das offenkundige Internet-Mem des Abgeordneten Lauer in seiner Rede zur Regierungserklärung zu verstehen?

burks hat mich nun aufgeklärt.
Einfach mal die Kresse halten! on Twitpic

ProtoTYPE: Bewerbungszeitraum hat begonnen

Die Buchbranche sucht nach Ideen, und dazu wird so eine Art Think-Tank-Initiative des AKEP und des Forum Zukunft im Börsenverein veranstaltet: ProtoTYPE. Und die Resultate sollen Public Domain werden:

Wem gehören am Ende die ProtoTYPEn/Ideen?

Zu Beginn der Veranstaltung in Leipzig wird mit allen Teilnehmern vereinbart, dass alles, was hier entwickelt werden wird, ProtoTYPEn sind, die der Allgemeinheit gehören. Denn diese Art von ProtoTYPEn kann als Voraussetzung für Innovationsprozesse und die Entwicklung von Geschäftsmodellen dienen.

Der Bewerbungszeitraum hat begonnen, und da meine Bachelorarbeit in einer ersten Rohfassung steht, habe ich mich bereits beworben – klingt nach einer spannenden Sache und einer guten Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und dieser liebenswerten Branche auf die Sprünge zu helfen – zu unsere alls wohl.

Auch für meine Leser, die die Rollenspiel-Posts überlesen: Die Seitenhiebe wird es nicht mehr allzu lange geben. Mit dem Bloggen höre ich aber sicherlich nicht auf, vielmehr wird es getrennte Blogs mit jeweils stärkerem Fokus geben. Denn an etwas Zu-Viel-Von-Allem krankten die Seitenhiebe schon seit Langem.

Selfpublishing: 100.000$ in 3 Wochen

Der amerikanische Autor Joe Konrath – aktuell mit einer Bier-Diät beschäftigt, die er in einem sehr launigen Blog dokumentiert – hat laut eigener Aussage in den letzten 3 Wochen 100.000 US$ Umsatz mit eBooks gemacht, die von Verlagen abgelehnt wurden:

Amazon is continuing to introduce Kindles to more and more countries. The global market is happening. I can’t see a limit. I can’t see a ceiling.

This is no longer a question of choosing between accepting 17.5% royalties from a legacy publisher or doing it yourself. This has now become the best way in the history of mankind for a writer to earn money. It may be one of the greatest ways to ever make money, period.

Schwere Zeiten für die Verlegerindustrie? Oder ein glücklicher Einzelfall?