Überlegungen zum Abfassen einer wissenschaftlichen Arbeit
Ich sitze gerade über einer meiner Hausarbeiten – es soll um die Kritik Wößmanns und Beckers an Max Webers “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus” gehen – und denke (prokrastinierend) darüber nach, welche Regeln ich beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit beherzige bzw. gerne beherzigen würde. Zum Thema gibt es ja ein eigenes Blog: die SchreibBar. Dort erhält man z.B. den Tipp, den Prof zu umgarnen, “smart” und nicht “hard” zu arbeiten und diverse sprachlich-stilistische Hinweise. Meine Überlegungen sind wohl am ehesten dem “smart not hard”-Bereich zuzuordnen – allerdings ein wenig anders verstanden als bei der SchreibBar (und durchaus cum salo granis).
- Man suche sich ein Thema, das einen interessiert und zu dem man über umfangreiches Vorwissen verfügt. Ideal ist es, die gesamte Arbeit, ihren Argumentationsverlauf, ihre Fragestellung und die Antwort auf diese bereits im Kopf zu haben. Dabei muss man freilich flexibel bleiben für etwaige neue Erkenntnisse. Denn um die geht es ja eigentlich.
- Man suche sich wenig Literatur, in der man sich bereits auskennt. Diese Forderung korrelliert stark mit der ersten: Man muss im Thema bereits zu Hause sein; die Lektüre neuer Literatur ist aufwändig. Daher ist sie zu vermeiden.
- Nachdem man das Thema, die Fragestellung und die Literaturliste hat absegnen lassen, erstelle man eine Gliederung. Falls nötig bricht man nun das Thema so herunter, dass es den eigenen Vorkenntnissen angepasst wird. (Dies sollte – nach Schritt 1 – an und für sich nur notwendig sein, wenn der Prüfer nochmals Einfluss genommen und das Thema aufgeplustert hat.) Alles, was nicht vorhanden oder in geringer Zeit anzueignen ist, wird nun gestrichen. (Dass diese Forderung u.U. mit einer stringenten Argumentation und/oder einer Beantwortung der Fragestellung kollidiert, sollte klar sein; hier muss der Schreiber anwägen. Es hat ja nie jemand behauptet, dass es leicht werden würde, oder? Und falls doch, dann war das gelogen!)
- Diese Gliederung läßt man nun absegnen, am besten schriftlich und eindeutig. Dann ist man auf der sicheren Seite – und hat eine professionelle “Letztbeurteilung”.
- Jetzt wird geschrieben. Am besten in einem Zug, ohne zwischenzeitliche Recherche; in die Bücher guckt man nur, wenn man einen Punkt nochmal nachlesen oder ein Zitat einpfelgen will.
- Jetzt schätzt man ab, wie lange man bereits gearbeitet hat, berechnet 20-25% dieser Zeit und wendet selbige auf, um die Arbeit zu korrigieren. Nicht mehr. Sonst arbeitet man sich tot. (Und ja, fremde Arbeitszeit sollte einberechnet werden! Wenn ihr einen Kommilitonen beauftragt, Korrektur zu lesen, zählt das zur Korrekturzeit.
- Und dann gibt man ab. Nichts quält einen mehr, als eine Arbeit in der Schublade.
Wünsche? Anregungen? Fluchtversuche aus dem universitären Betrieb?
Tags: dissertation, doktorarbeit, facharbeit, hausarbeit, max weber, promotion, wissenschaftliches arbeiten, wößmann

Was hast du für Tips für Studenten des ersten Semesters?
Normaler Weise haben diese noch keine, bzw. spärliche Vorkenntnisse über ihr Thema.
Welche Vorgehensweise ist dann ratsam?
In die Lektüre stürzen und dann das übliche transkripieren?
Lg Franz
Das kommt natürlich stark aufs Studienfach an. Normalerweise wählt man ja ein Fach, das einen interessiert, und daraus resultieren meistens schon gewisse Vorkenntnisse. Die muss man sich bewußt machen.
Ansonsten gilt dasselbe wie oben geschrieben: Ich rate zu einem einfachen, überschaubaren Thema mit klarer Fragestellung. Und am besten liest man so viel, wie nötig ist, um das Thema im Kopf vollständig durchdenken zu können. Und natürlich so wenig wie möglich, es sei denn, es interessiert einen wirklich sehr;). Was studierst du denn?