Göteborg und zurück

Zurück in Deutschland. Vom RyanAir-Flughafen Frankfurt Hahn per Shuttle-Bus nach Mainz. Erster Gedanke: Was war das Personal des schwedischen Personenverkehrs doch freundlich. Kein muffiger Busfahrer, der sich für nichts zuständig fühlt und genervt zum ersten Mal die Strecke nach Mainz fährt (während einem der Druck im Nacken sitzt, in Mainz in 7 Minuten den Zug zu erreichen); keine Bahnschaffnerin, die sich 10 Minuten mit einem Fahrgast über dessen abgelaufenen Bahncard streitet (zugegebenermaßen zur Belustigung der Mitfahrenden, incl. meiner selbst).

Stattdessen: Freundliche, kompetente und vor allem kulante Fahrer und Bedienstete. Kontrolliert wurden wir ein einziges Mal; im Gegenteil: Der erste Busfahrer in Göteborg nahm uns umsonst mit – für das Versprechen, am nächsten Tag ein Ticket zu lösen, weil er keine verkaufe. Auskünfte erhielt man schnell und unkompliziert, niemand war verbohrt, angespannt, aggressiv. Das färbte ab. Der erste Kontakt mit deutschem Boden kann so manche Entspannung des Urlaubs zunichte machen.

Göteborg ist die richtige Stadt für einen kurzen Trip. Zu tun gäbe es sicherlich für Wochen (wie mir am Abreisetag ein freundlicher spanischer Physiker am Hauptbahnhof versicherte), aber nach fünf Tagen hat man einen Eindruck und viel erlebt. Die schwedische Großstadt (mit einer halben Million Einwohner zu vergleichen mit mener Heimatstadt Nürnberg) ist übersichtlich, ohne langweilig zu werden, komfortabel zu Fuß zu erkunden, ohne Großstadtflair vermissen zu lassen. Die Innenstadt sieht aus wie die jeder anderen eurpoäischen Großstadt.

Wohl noch leicht von den nomadisschen Wurzeln geprägt, sind „Vandrersheme“, die schwedischen Pendants zu deutschen Jugendherbergen, von jedermann zu besuchen. Da wir außerhalb der Hauptsaison reisten, fiel dies nicht weiter ins Gewicht, wir hatten nicht nur vier Betten für zwei Personen, sondern fast einen gesamten Flur im Erdgeschoss. Die Umgebung war ruhig – angeschlossen war eine medizinische Einrichtung, von der wir bis dato nicht sicher sind, ob es eine Reha-Klinik, eine Alkohol-Entzgsklinik oder ein Altenheim war. Die Klientel hätte zu allem gepasst.

Die fast nicht vorhandene oder jedenfalls nicht sichtbare Klientel. Wir trafen im direkten Gebiet um die Jugendherbege eigentlich nur relativ wenige Leute – was jetzt aber nicht besonders störte, weil wir u.a. auch in Ruhe Bergbesteigungen im anliegenden Wald durchführen konnten.(hh)

Alkohol ist ja bekanntlich in Schweden a) teuer und b) monopolisiert (was wohl beides zusammenhängt, in die eine wie in die andere Richtung). Dennoch begegneten wir bereits am ersten erkundungstag einigen Sturzbetrunkenen in der Öffentlichkeit, die den Eindruck von OfWs machten. Erst am dritten Tag bekamen wir mit, wie sich die Obdachlosen wohl ihren Schluck finanzieren: Vor der Domkirche wurden wir auf Deutsch und Englisch angeschnorrt, ganz offen, ob wir nicht ein paar Kronen für Bier hätten. Hatten wir natürlich nicht (weder für fremdes noch für eigenes Bier, die Preise in Schweden gewöhnen sogar mir den Genuss geistiger Getränke ab).

Schweden sind offen. Am letzten Tag trug ich mein Luhmann-Fanshirt und wurde von einem Göteboger angesprochen, ob ich Deutscher sei. Wir unterhielten uns dann kurz auf Englisch, er entpuppte sich als Fan der deutschen Sprache (ohne das Wort „Sprache“ zu kennen – eine Bildungslücke, die ich gerne füllte).

Die offenheit, die man zuerst nur als erstaunlich gute sprachkenntnisse und oben beschriebene begegnungen verbucht, wird einem spätestens beim zappen durch das schwedische fernsehprogramm bewusst. Alle spielfilme werden in englischer sprache mit schwedischen untertiteln ausgestrahlt.

Über die interessantesten Orte und Sehenswürdigkeiten in Göteborg verliere ich keine großen Worte, mehr als das, was man in jedem ordentlichen Reseführer zu lesen bekommt, haben wir in der Kürze der Zeit wohl auch nicht gesehen. Der Göteborg-Pass jedenfalls ist auch über das Freiticket für den öffentlichen Nahverkehr hinaus sehr empfehlenswert, sofern man sich die darin enthaltenen Museen, Fahrten, Gärten etc. ohnehin ansehen will. Denn billig ist Schweden nicht, über den Alkohol hinaus. Die Lebenshaltungskosten dürften deutlich über denen Nürnbergs liegen. Das merkt man auch als Tourist. Zudem sollte man Kreditkarten stets bei sich führen, nicht nur in Shuttle-Bussen, auch in manchen Supermärkten sind sie die einzig akhttp://de.wikipedia.org/wiki/Snuszeptierte Zahlweise.

Im Wald – soviel als Warnung eines Leidtragenden – sollte man sich vor Mücken schützen; ich habe ein gutes Dutzend erlegt, und wurde dennoch völlig zerstochen. Daran änderte leider auch der durch die örtliche Tabakspezialität Snus (der Handel ist in Deutschland leider verboten, also bietet sich ein Souvenir in kaubarer Form an) erhöhte Nikotinspiegel in meinem Blut nichts.

Tja, also ich hatte Glück *g*.(hh)

Dass die Welt ein Dorf ist, erfuhr ich aufs Neue, als ich im Universeum (ich weise hier doch noch mal auf dieses Museum gesondert hin: Pflichtpunkt für jedes Spielkind!) eine ehemalige Schulkameradin traf.

Tags: , , ,

One Comment

Einen Kommentar hinterlassen